FAQ

HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN:

Was passiert, wenn jemand gegen die Prinzipien der Selbstverpflichtung verstößt? Gibt es eine Form der Kontrolle? 
Wir können und wollen keine „Moral-Polizei“ sein. Wesentlich ist, dass durch die Veröffentlichung der Selbstverpflichtung der Maßstab an das eigene Handeln für die Unterzeichnenden selbst und für ihr berufliches Umfeld überprüfbar wird. Das ist eine Form der Kontrolle. Sollten uns grobe Verstöße eines Unterzeichnenden gegen die Prinzipien einer Selbstverpflichtung gemeldet werden, werden wir die Beschwerde anonym an die betreffende Person weiterleiten und diese um eine Stellungnahme bitten. 

Ist das art but fair Logo ein „Gütesiegel“? Kann ich es als Unterzeichnender der Selbstverpflichtung als solches benutzen?
Nein. Das derzeitige Logo ist noch kein Gütesiegel. Administrativ, logistisch und juristisch ist die Einführung eines Gütesiegels von uns momentan nicht zu leisten. Am Ende der art but fair consultations und der Studie in Zusammenarbeit mit der Kulturpolitischen Gesellschaft und der Hans-Böckler-Stiftung wird möglicherweise eine neue Formulierung der Selbstverpflichtung stehen. Diese müsste dann erneut unterzeichnet werden. Und hoffentlich gibt es dann auch das von uns weiterhin angestrebte art but fair Siegel – und das wird anders aussehen als das heutige Logo. Den Unterzeichnenden ist es in dieser Übergangsphase aber frei gestellt, das jetzige art but fair Logo zu benutzen.

Kann auch eine gesamte Institution die art but fair – Selbstverpflichtung unterzeichnen?
Nein. Die aktuellen Texte sind für Personen formuliert, die sich Ziele setzen und diese in ihrem beruflichen Umfeld umsetzen wollen. Die Person agiert dabei in ihrem jeweiligen Einflussbereich. Wenn jemand eine Institution leitet, ist der Einfluss natürlich entsprechend groß. Es verpflichtet sich aber die Person, nicht die Institution. Im Rahmen der art but fair consultations und der Studie werden wir die Möglichkeiten der Verpflichtung von Institutionen erörtern und gegebenenfalls realisieren. Bereits jetzt beraten wir aber gerne auch Institutionen zu den Instrumenten einer angewandten Unternehmensethik.

Wie umfangreich muss der Jahresbericht sein? 
Das ergibt sich aus der Situation. Wichtig ist, dass zunächst dokumentiert wird, ob es Fortschritte gegeben hat oder nicht. Darüber hinaus ist es für alle hilfreich, wenn Maßnahmen, die zu Fortschritten geführt haben, nachvollziehbar dargestellt werden. Im Sinne einer „best practice“- Dokumentation kann das Anreiz und Hilfestellung für andere sein, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Anschließend wäre es gut, auch die Ursachen eines möglichen Scheiterns zu analysieren. Schließlich sollte der Jahresbericht erneut einen Ausblick auf die Vorhaben des kommenden Jahres beinhalten, sozusagen als „nächster Schritt“.

Welche Selbstverpflichtung ist die richtige für mich? Kann ich auch mehr als eine unterzeichnen?
Das ergibt sich aus dem Arbeitsfeld. Wir laden neben den Mitarbeitenden, die sich ohnehin als Kunstschaffende betrachten, ausdrücklich auch die Mitarbeitenden aus den Bereichen Technik und Verwaltung an Theatern und Konzerthäusern zur Selbstverpflichtung für Kunstschaffende ein. Es geht in jeder Verpflichtung darum, nach den eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten zu agieren. Die Unterzeichnenden übernehmen in diesem Rahmen freiwillig die Verantwortung für ihr eigenes berufliches Handeln. Wenn aktuell berufliche Tätigkeiten in verschiedenen Bereichen ausgeübt werden, freuen wir uns natürlich über die Unterzeichnung verschiedener Verpflichtungen derselben Person!

Was versteht art but fair unter einer „angemessenen Gage“?
Wir können und wollen nicht vorschreiben, wie Lohngerechtigkeit bei einer künstlerischen Tätigkeit aussehen könnte. Dies zu fixieren, ist Aufgabe der Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände. Gerechtigkeit ist ohnehin ein Begriff, mit dem in künstlerischen Zusammenhängen schwer zu argumentieren ist. Unserer Ansicht nach sollten aber professionell ausgebildete und professionell tätige Kunstschaffende für den Zeitraum ihrer Beschäftigung von ihrer Gage leben können und das in Verhältnissen, die spürbar oberhalb der Armutsgrenze liegen. Es gibt keinen Anspruch auf künstlerische Arbeit. Aber die Engagements die es gibt, sollten den Kunstschaffenden ein ausreichendes Auskommen bieten und sie an den Errungenschaften des Sozialversicherungssystems teilhaben lassen. Als Richtwert gelten selbstverständlich die bereits bestehenden Lohntarife.

Was passiert, wenn jemand die jährlichen Fortschrittsberichte nicht leistet?
In diesem Fall werden die Unterzeichnenden von uns erinnert, und wir bieten gleichzeitig Hilfe an. Die betreffende Person wird als „kommuniziert nicht – KEINE FORTSCHRITTE“ auf der Selbstverpflichtungs-Website dargestellt. Sollte die Person auf mehrmalige Nachfragen nicht reagieren, wird sie von der Selbstverpflichtung ausgeschlossen und auch dieser Vorgang auf der Website veröffentlicht.

Wie kann ich als Kunstschaffender die Selbstverpflichtung unterschreiben, wenn ich im Kampf ums Überleben doch jedes Engagement annehmen muss? 
Der erste Schritt der Selbstverpflichtung ist ein sich Bewusstmachen der momentanen Situation. Für viele Kunstschaffende ist das alles andere als angenehm, da sie oft unter katastrophalen Bedingungen arbeiten. Um an dieser Situation etwas zu ändern ist art but fair entstanden. Die Unterzeichnung der Selbstverpflichtung verstehen wir als ein Zeichen der Solidarisierung. Die Veränderungen gehen nicht von heute auf morgen. Jeder entscheidet selbst, in welchen Schritten er in eine neue Richtung gehen kann. Dabei geht es nicht nur ums Geld. Wo stehe ich und wie komme ich weiter auf meinem eigenen Weg zu besseren Arbeitsbedingungen? Der jährliche Fortschrittsbericht ist die Bestandsaufnahme.

Falls Sie weitere Fragen haben oder eine persönliche Beratung wünschen, schreiben Sie uns bitte an selbstverpflichtung@artbutfair.org